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5.9 Was sind Geringwertige Wirtschaftsgüter und wie unterscheiden sie sich von regulären Anlagegütern?

Die steuerlichen Regelungen hierfür sind recht komplex und haben sich in den letzten Jahren mehrfach geändert.

Übersicht

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Geringwertigen Wirtschaftsgütern (selbständig nutzbaren Wirtschaftsgütern mit einem Einkaufspreis in bestimmten Grenzen) und regulären Anlagegütern. Hierbei ist das Wort selbständig wichtig: ein Wirtschaftsgut ist dann nicht selbständig nutzbar, wenn es nach seiner Zweckbestimmung nur zusammen mit anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens genutzt werden kann. Beispielsweise sind ein Drucker oder ein Scanner nicht selbständig nutzbar, da zum Betrieb ein PC benötigt wird. Gleiches gilt für einen PKW-Anhänger. Dagegen sind Multifunktionsdrucker, die auch eine Kopierfunktion haben, selbständig nutzbar.

Selbständig nutzbare Wirtschaftsgüter bis 150,- € Nettopreis gelten nicht als Anlagegüter und müssen sofort als Betriebsausgaben angesetzt werden (z.B. unter "Werkzeuge und Kleingeräte" oder "Sonstiger Betriebsbedarf"). Alle Preisgrenzen gelten für die Nettobeträge, auch dann, wenn Sie nicht umsatzsteuerpflichtig sind.

Nicht selbständig nutzbare Wirtschaftsgüter sind grundsätzlich keine Geringwertigen Wirtschaftsgüter und sind somit als reguläre Anlagegüter zu behandeln. Kleinteile, Werkzeuge, Ersatzteile o.Ä. werden normalerweise nicht als eigenständige Wirtschaftsgüter, sondern als Betriebsausgaben erfasst (z.B. unter "Bürobedarf", "Werkzeuge und Kleingeräte" oder "Wartungskosten für Hard- und Software"). So wird z.B. auch die neue Festplatte für den PC vom Finanzamt i.d.R. als Wartungskosten akzeptiert (keine Garantie, fragen Sie im Zweifel Ihren Steuerberater).

Regelung für die Jahre 2008 und 2009

Geringwertige Wirtschaftsgüter in 2008 und 2009 sind Wirtschaftsgüter über 150,- bis 1000,- € Nettopreis. Diese müssen in diesen Wirtschaftsjahren in einem Sammelposten erfasst werden und in fünf gleichen Teilen über fünf Jahre abgeschrieben werden (Konto "Geringwertige WG Sammelposten"). Scheidet ein solches geringwertiges Wirtschaftsgut vor Ablauf der fünf Jahre aus dem Betriebsvermögen aus, läuft die Abschreibung dennoch unverändert weiter, ein eventueller Verkaufserlös zählt voll zum Betriebsgewinn. Wirtschaftsgüter über 1000,- € sind reguläre Anlagegüter.

Neuregelung ab 2010

Ab dem Jahr 2010 gibt es ein Wahlrecht. Der Steuerpflichtige kann wählen, ob er die Regelung der Jahre 2008/2009 (Sammelposten) oder die "alte" Regelung anwenden will, die bis 2007 galt:

Unter dieser Regelung sind Geringwertige Wirtschaftsgüter selbständig nutzbare Wirtschaftsgüter über 150,- bis 410,- € Nettopreis. Diese werden sofort komplett abgeschrieben und werden im Anlagenverzeichnis aufgeführt (Konto "Geringwertige WG Sofortabschreibung"). Selbständig nutzbare Wirtschaftsgüter über 410,- € netto sind reguläre Anlagegüter und werden über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben.

Beide Regelungen können nicht in einem Wirtschaftsjahr gemischt werden, d.h. in 2010 kann für alle Wirtschaftsgüter nur entweder die eine oder die anderer Regelung gewählt werden. Die Wahl wird erst bei der Einreichung der Einkommensteuererklärung getroffen, d.h. man kann sich nach Ablauf des Jahres für den einen oder den anderen Fall entscheiden.

Vorgehensweise bei der Buchung

Wählen Sie am Besten ab 2010 zunächst eine der beiden Regelungen, Sie können später nötigenfalls die Wirtschaftsgüter jederzeit umbuchen.

"Alte" Regelung
  • Selbständig nutzbare WG bis 150,- € netto: Buchung als Betriebausgabe
  • Selbständig nutzbare WG über 150,- bis 410,- € netto: Buchung auf "Geringwertige WG Sofortabschreibung"
  • WG über 410,- € netto oder nicht selbständig nutzbare WG: Buchung auf eines der "Anlagegüter"-Konten
"Neue" Regelung
  • Selbständig nutzbare WG bis 150,- € netto: Buchung als Betriebausgabe
  • Selbständig nutzbare WG über 150,- bis 1000,- € netto: Buchung auf "Geringwertige WG Sammelposten"
  • WG über 1000,- € netto oder nicht selbständig nutzbare WG: Buchung auf eines der "Anlagegüter"-Konten

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